ZUM HEILIGEN-ARCHIV
Paul Miki und die Märtyrer von Japan
6. Februar

* um 1565 in Kyōto, Japan
† 5. Februar 1597 in Nagasaki
Gott lässt die Saat aufgehen
Die katholische Kirche Japans, deren Anfänge auf den heiligen Franz Xaver zurückgehen, zählte in kaum fünfzig Jahren nicht weniger als 300.00 Gläubige. Dieser Erfolg war hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Glaubensboten die Einsicht gewonnen hatten, nicht alles, was vor dem Evangelium an religiösen Wahrheiten und Werten dagewesen sei, müsse unbedingt ausgerottet werden. Deshalb hielten sie es auch für geboten, die Japaner selbst an der Verkündigung der christlichen Botschaft teilnehmen zu lassen und geeignete junge Männer zu Priester ihres Volkes vorzubereiten.
Japanische Missionare
Die Kandidaten, die sich dem Jesuitenorden anschlossen wurden zunächst als Katechisten eingesetzt. Unter ihnen zeichnete sich Paul Miki (geboren 1564/66) aus, der mit Erfolg daran ging, an der Person Jesu Züge aufzuzeigen, die „japanisch“ waren – das heißt, die Jesus für Japaner verständlich und anziehend machten. Doch konnte Paul Miki nicht zum Priester geweiht werden, weil es in Japan noch keinen Bischof gab, obwohl die Stadt Funai bereits 1587 zum Bistum erklärt worden war. Erst 1601 sollten zwei Jesuiten und ein Weltpriester geweiht werden.
Verfolgung
Indes hatte sich die politische Lage Japans von Grund auf gewandelt. 1590 gelang es Hideyoshi, dem ersten Shogun aus dem Geschlecht der Tokugawa, die Macht der zahllosen Daimyos zu brechen und Japan nach 500 Jahren Kleinstaaterei unter seine Herrschaft zu bringen und zu einen. Gerade in dieser unruhevollen Zeit landeten spanische Franziskaner von den Philippinen auf Japan. Sie erregten den Argwohn Hideyoshis; er sah in ihrem Erscheinen einen untrüglichen Beweis westlicher Machtgelüste. Das führte zu einer ersten blutigen Verfolgung der Kirche: Sechs spanische Franziskaner, drei japanische Jesuiten-Katechisten und siebzehn japanische Christen wurden verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 5. Februar 1597 wurden sie auf dem Tateyama-Hügel, mit Blick zum Hafen als Warnung für alle gut sichtbar, bei Nagasaki gekreuzigt.
Mutige Bekenner - unter ihnen auch Kinder
Ein zeitgenössischer Bericht ihres Märtyrertodes für Christus hebt hervor, daß Paul Miki, der großes Ansehen im Volke besaß, vor der zuschauenden Menge eigens betont habe, er sei Japaner und Mitglied der Gesellschaft Jesu und müsse den Tod nur deswegen erleiden, weil er das Evangelium Jesu Christi verkündet habe. Doch verzeihe er allen, die an seinen Tod schuldig seien, und forderte sie auf, zu glauben und sich taufen zu lassen.
Unter den Gefährten Paul Mikis befanden sich auch einige Kinder, die rührendes Zeugnis ihres Bekennermutes gaben. So schrieb der vierzehnjährige Thomas Ozaki auf dem Marsch von Kyoto nach Nagasaki an seine Mutter folgenden Brief:
„Thomas richtet in Ehrfurcht an die Mutter dieses Schreibens. Mit dem Vater habe ich von Gott die besondere Gnade empfangen, in einigen Tagen zu Nagasaki des Glaubens wegen hingerichtet zu werden. Ohne Zweifel aber wirst Du, Mutter, von diesem Glück wissen. An der Hand des Priesters und des Vaters gehe ich Dir voraus in den Himmel und warte, daß Du, liebe Mutter, nachkommst. Mutter, wenn nachher keine Priester mehr da sein sollten, die die Beichten hören, dann mußt Du vollkommene Reue erwecken. Gott wird Dir verzeihen. Du mußt Deinen Glauben stark erhalten und darfst niemals unseren Herrn Jesus Christus vergessen, der uns so unermeßliche Gnaden verliehen hat. Das verweilen des Menschen in dieser Welt ist wie ein Traum, und das Leben gleicht einem Licht im Winde. Ertrage deshalb in Geduld Leid und Schmach, sehne Dich nicht nach vergänglichem Glück und vergiß den Weg zum Himmel nicht. Gib meine beiden kleinen Brüder nicht in die Hände der Gottlosen, sondern erziehe sie selbst in aller Sorgfalt. Das ist meine und des Vaters letzte Bitte. Mutter, werde glücklich!“
Der zwölfjähriger Ludwig Ibaraki wurde auf dem Todesmarsch von dem Stellvertreter des Gouverneurs beiseite genommen: „Ich will dein Leben retten, wenn du das Christentum aufgibst und mir folgst. Ich werde dich zu einem berühmten Samurai machen.“ Aber der Junge schüttelte nur unwillig den Kopf und rief: „Ich habe gelobt, meinen Glauben nicht zu verleugnen und Gott nicht zu beleidigen. Die Freuden und Ehren des Lebens sind nur wie Schaum auf dem Wasser, wie der Morgentau auf den Gräsern. Die Freuden und Ehren des Himmels dagegen sind unvergänglich. Wenn du wirklich mein Leben retten willst, dann rette das Christentum in Japan.“
Auf dem Richtplatz konnte der kleine Ludwig nicht sofort das für ihn bestimmte Kreuz finden. Er lief hin und her vor Aufregung, er könne vergessen worden sein. Schließlich eilte er auf den Vizegouverneur zu und fragte: „Herr Gouverneur, wo ist mein Kreuz? Ich möchte es umarmen und an meine Brust drücken.“ Ans Kreuz gefesselt, betete er still. Als die Lanzen seine Brust durchstießen, rief er mit lauter Stimme: „Paraiso, paraiso – Paradies, Paradies!“
Die Eltern des dreizehnjährigen Antonius waren noch Heiden und versuchten, das junge Leben ihres Kindes zu retten. Aber Antonius blieb seinem Glauben treu und versicherte seinen Eltern: „Wenn ich im Himmel vor unserem Herrn erscheine, werde ich bestimmt für euch beten.“ Dann wandte er sich an Petrus Baptista, den Priester, und sagte: „Vater, du hast versprochen, mit mir, Ludwig und Thomas, wenn wir am Kreuz hängen, den Psalm ‚Laudate, pueri, Dominum!‘ zu singen. Stimm ihn bitte an.“ Als der Pater nicht antwortete, begann der Knabe selbst zu singen, und die anderen Jungen und einige Blutzeugen stimmten mit ein. Ihr Gesang wurde von Lanzenstichen der Henker zum Verstummen gebracht. Doch hat die Japanische Kirche, nachdem sie mehr als zweihundert Jahre im Untergrund gelebt hat und im 19. Jahrhundert fast gleichzeitig von katholischen und russisch-orthodoxen Missionare wiederentdeckt worden ist, den Gesang der todgeweihten Märtyrer in einem herrlichen Denkmal verewigt und ihnen zu Ehren eine Kirche gebaut, die zu den schönsten Kunstdenkmälern der japanischen Christenheit gehört.
Heiligsprechung
Papst Pius IX. verkündete am 8. Juni 1862 im Petersdom zu Rom: „Weil diese sechsundzwanzig Märtyrer für unseren heiligen Glauben ihr Leben dahingegeben haben, werden sie heute heiliggesprochen. Die Gläubigen aller Länder sollen ihre Fürbitte anrufen und sie verehren.“